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Staatliche Musikschule Nr. 1 in Atschinsk // Russland

Internationale Kooperation mit der Staatlichen Musikschule Nr. 1 in Atschinsk, Krasnojarsker Region, Sibirien, Russland. Atschinsk hat heute 106.000 Einwohner. Die Stadt wurde schon im 17. Jahrhundert, genauer im Jahr 1683, gegründet und liegt in einer hügeligen Landschaft mit vielen Birkenwäldern am Ufer des Flusses Tschulym. Wirtschaftlich stark ist die Stadt durch ihre Aluminium- und Zementindustrie. Es gibt im Stadtzentrum noch einige alte Stadtpaläste oder Herrenhäuser, die einen venezianischen Eindruck verströmen. Mehrere Kirchen prägen die Silhouette, es gibt eine Moschee und eine kleine Synagoge. Die transsibirische Eisenbahn führt durch die Stadt, der Bahnhof wurde 1899 errichtet, außerdem gibt es einen Hafen und in der Nähe auch einen Flughafen. Gefeiert werden zahlreiche Anlässe im Jahreskreis, darunter auch der Internationale Kindertag am 1. Juni des Jahres.

Träger der Kultur am Ort sind unter anderen das Stadttheater, der Zentrale Konzertsaal und die Staatliche Musikschule Nr. 1, die schon einige Stars hervorgebracht hat.

Sie wurde im Jahre 1953 gegründet und bietet Schülern der allgemeinbildenden Schulen die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen oder die Stimme zu schulen. Über 380 Schüler nutzen derzeit diese Chance. 30 Lehrer wirken hier. Im Haus ist es nie still. Es gibt verschiedene Abteilungen für Klavier, Volksinstrumente, Blas- und Schlaginstrumente, Musiktheorie, Ästhetik und Chor. Man hört Balalaika, Domra, Geige, Akkordon, Saxophon, Flöten, Klarinetten, Schlagzeug, Gitarren, Gesang und Trompeten. Die Schüler nehmen teil und trumpfen auf in Wettbewerben auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, zum Beispiel in Wettbewerben und Festivals in Krasnojarks, Nowosibirs, Veleky Novgorod, St. Petersburg, England, Frankreich Sotchi, Abchasien und Schweden – dort erhielt der Gloria School Choir hohe Auszeichungen. Meisterklassen und Kurse sowie die Zusammenarbeite mit Hochschulen in Russland und im Ausland vervollständigen die Möglichkeiten der Musikschule Nr. 1. Die Lehrer gehören teils festen Ensembles an, etwa im Jazz dem Quinto-Ensemble, aber auch dem russischen Souvenierorchester oder dem Vokalensemble Lira. Menschen in Atschinsk sind begeistert von der Kultur. Geprägt ist das Kulturleben in der Stadt von der europäischen Kultur. Im Februar 2020 gab es zum Beispiel Themenkonzerte über Johann Sebastian Bach und Modest Mussorgsky. Aufgeführt wurden hier auch Werke von Svyatoslav Richter, Dmitri Hvorostovsky und Bela Rudenko. Zu Gast waren berühmte Künstler und Bands aus Moskau, Leningrad, Krasnojarsk, Nowosibirsk, Barnaul und anderen Städte sowie ausländische Künstler. Quasi zum Stammpersonal der Musikschule gehören das Krasnojarsk Regional Philharmonic Orchester, das Lehrer und Schüler der Krasnojarsker Hochschule der Künste „P. I. Ivanov-Radkevich“ versammelt. Die Lehrer aus Atschinsk tauschen sich international aus mit den Kollegen an der Munich International School of Arts in München. Angedacht sind Besuche bei uns und gemeinsame Auftritte mit russischen Studenten aus Atschinsk zusammen mit Kommilitonen aus München.

Interessante Persönlichkeiten

Angela Ahiskal in the international jury for Music & Stars Awards 2020

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So pleased to be a part of the international jury for the brand new Music and Stars Awards coming up in November! There are many interesting categories and prizes to be won

Interview mit unserem Dozenten Dr. Mikhail Khvostikov

Sie spielen Blockflöte, Querflöte, Piccoloflöte und Klavier. Das sind doch ganz unterschiedliche Instrumente. Was ist ihr Lieblingsinstrument? Welches Instrument würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Keines meiner Instrumente lässt mich kalt, aber am meisten liebe ich natürlich die Querflöte. Sie ist fast immer bei mir, wohin ich auch gehe. Daher würde sie auch auf einer einsamen Insel definitiv in meinem Rucksack sein.

Wie haben Sie die Corona-Maßnahmen überstanden, als wir in der MISA nur Onlineunterricht geben konnten?

Die gesamte Corona-Situation erwies sich als schwierig, aber dank moderner Technologien und einer guten Organisation von Lehrern und Schülern wurde der Bildungsprozess nicht nur nicht gestoppt, sondern verlor auch nicht an Qualität. In dieser Zeit habe ich zusätzliche Erfahrungen im Fernunterricht gesammelt und ich muss sagen, dass diese Erfahrung in Zukunft nützlich sein kann. Wenn fast alle Informationen, die alltägliche Kommunikation und sogar einige Konzerte und Ausstellungen online übertragen werden, ist es wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben und diese Errungenschaften der Menschheit zu nutzen. Natürlich kann Live-Kommunikation nicht mit digitaler Kommunikation verglichen werden, aber manchmal, wenn es einfach keine andere Wahl gibt, kann die Online-Sphäre Wunder wirken!

Was bedeuten Ihnen Ihre Schüler?

Meine Schülerschaft ist ziemlich groß und vereinigt Studenten vieler Länder. Der große Vorteil der Musik ist, dass die Musiksprache für alle Länder und Völker gleich ist. Die Musik ist eine universelle Sprache, die für jeden verständlich ist, auch wenn eine Person keine musikalische Ausbildung hat. Natürlich ist es im Unterricht wichtig, dass zwischen dem Lehrer und dem Schüler ein hundertprozentiges gegenseitiges Verständnis besteht, und ich muss sagen, dass es aufgrund meiner langjährigen Unterrichtserfahrung so gut wie keine Missverständnisse gibt. Menschen, die Musik ganz unterschiedlichen Alters studieren wollen, kommen zu Musikschulen. Zum Beispiel ist mein jüngster Schüler erst fünf Jahre alt und der älteste etwa 80 Jahre alt. Trotz eines so großen Altersunterschieds finde ich einen individuellen Ansatz für jeden Schüler, der seinen Charakter, seine Fähigkeiten, sein Geschlecht, seine körperlichen Eigenschaften und seine Ziele berücksichtigt. Für mich ist jeder Schüler eine eigene Welt, in die wir während des Unterrichts eintauchen. Ich glaube, dass dies eines der Hauptprinzipien eines einfachen, aber produktiven Lernprozesses ist.

Mit 18 Jahren gewannen Sie den Internationalen Musikwettbewerb „Jeunesse Musicale“ in Bukarest. Auch davor und danach gab es immer wieder erste Preise für Sie bei Wettbewerben quer durch Europa. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Hier muss ich Sie korrigieren: Als ich der Gewinner des Wettbewerbs in Bukarest wurde, war ich 14 Jahre alt. Bei diesem Wettbewerb war ich der jüngste Teilnehmer. Aber das war weit von meinem ersten Sieg entfernt. Mein erster Musikwettbewerb fand in Russland in der Nähe von Moskau auf regionaler Ebene statt, wo ich mit Sonata von Johann Sebastian Bach in C-Dur auftrat und den 1. Preis gewann. Zu dieser Zeit war ich erst neun Jahre alt und hatte erst seit acht Monaten Flötenunterricht. Ich mochte sofort die Atmosphäre des Wettbewerbs und während meiner weiteren musikalischen Ausbildung zuerst an der Chergolov-Kindermusikschule, dann an der Gnesins Moscow Secondary Special Music School, gefolgt von weiteren Studien an der Gnesins Russian Academy of Music und in der Abschlussphase an der Hochschule für Musik und Theater in München. Ich habe an vielen internationalen Wettbewerben teilgenommen und fast überall die ersten Preise gewonnen. Bis heute gibt es in meiner Musikkarriere 13 Auszeichnungen von internationalen Flötenwettbewerben. Ohne die einfühlsame Einstellung und die hohe Professionalität der Lehrer, von denen ich glücklicherweise gelernt habe, wäre ich natürlich nicht in der Lage, solche Ergebnisse zu erzielen, und ich bin ihnen für ihre Arbeit und das übertragene Wissen sehr dankbar.

Sie haben promoviert – in welchem Fach denn und worüber?

Als ich an der Graduiertenschule der Russischen Musikakademie Gnesins studierte, beschloss ich, das Thema meiner Abschlussarbeit, die am Ende des Hauptkurses verfasst wurde, weiter zu erforschen. Das Thema bezog sich auf die Musik von Friedrich Kulau (1786-1832), über die wenig bekannt war, und sein Name wurde nur erinnert als der eines Pianisten, der im Kindesalter leichte Klaviersonaten komponiert hat. Als ich sein musikalisches Erbe untersuchte, fand ich heraus, dass er neben Werken für Klavier eine große Menge Musik für Soloflöte schuf, für zwei, drei, vier Flöten, für Flöte und Klavier, für ein Duett aus Flöten und Klavier, viele Opern, in denen er die Flöte benutzte. Eine interessante Tatsache ist, dass Kulau selbst nicht wusste, wie man Flöte spielt, er war aber ein im höchsten Grade virtuoser Pianist. Jedoch sein bester Freund war ein Flötist, und deshalb wurden absolut alle Werke, die Kulau komponierte, für seinen Freund einem technischen Test unterzogen. Dies ist das Geheimnis, warum seine Musik trotz Virtuosität für den Flötisten ganz bequem „unter den Fingern“ ist. Ziel meiner Doktorarbeit war es, die Flötenwerke von Friedrich Kulau gründlich zu studieren, Parallelen zu anderen, bekannteren Komponisten zu finden, die Aufmerksamkeit der Musiker auf seine Kompositionen zu lenken und dem Vergessenen so auch zu größerer Berühmtheit zu verhelfen.

Das Interview wurde am 09.06.2020 online geführt.